Rassestandard des Lagotto Romagnolo
Der Lagotto Romagnolo ist ein kleiner bis mittelgroßer, gut proportionierter und kräftig gebauter Hund mit quadratischem Körperbau. Kennzeichnend sind sein robuster, funktionaler Körperbau, sein natürlich rustikales Erscheinungsbild und sein dichtes, lockiges Haarkleid von wolliger Textur.
Der Rassestandard beschreibt nicht nur das Erscheinungsbild. Er bewahrt ebenso Funktionalität, Wesen und jene Eigenschaften, die die Identität des Lagotto Romagnolo prägen – vom ursprünglichen Wasserhund bis zum heutigen Spezialisten für die Trüffelsuche.

Hund mit quadratischem Körperbau
Der Lagotto Romagnolo soll kompakt, ausgewogen und funktional wirken. Er ist kräftig gebaut, ohne schwerfällig zu erscheinen. Sein Erscheinungsbild bleibt natürlich und rustikal.
Die Körperlänge entspricht der Widerristhöhe, wodurch der charakteristische quadratische Körperbau entsteht. Die Kopflänge beträgt etwa 40 % der Widerristhöhe; das Verhältnis von Schädellänge zu Fanglänge beträgt 56 : 44. Die Höhe vom Boden bis zum Ellenbogen entspricht etwa 56 % der Widerristhöhe, die Strecke vom Ellenbogen bis zum Widerrist den verbleibenden 44 %. Diese Proportionen bilden die Grundlage für einen harmonischen und funktionalen Körperbau.
Korrekte Proportionen sind kein Selbstzweck. Sie ermöglichen einen freien, zweckmäßigen Bewegungsablauf und bewahren den funktionalen Arbeitscharakter der Rasse.
Maße gemäß FCI-Standard
Körperbau des Lagotto Romagnolo
Ein typischer Vertreter der Rasse wirkt harmonisch, kompakt und funktional. Die Darstellung veranschaulicht die grundlegenden anatomischen Proportionen, die Lage der einzelnen Körperpartien und den für den Lagotto Romagnolo charakteristischen quadratischen Körperbau.
Ein typischer Kopf – ohne Übertreibung
Von oben betrachtet soll der Kopf leicht trapezförmig und mäßig breit sein. Der Schädel macht etwa 56 % und der Fang 44 % der gesamten Kopflänge aus. Die oberen Begrenzungslinien von Schädel und Fang streben leicht auseinander. Der Fang soll daher weder kurz noch spitz noch fein wirken.
Der Ausdruck des Lagotto ist aufmerksam, aufgeweckt und lebhaft. Geprägt wird er von großen, rundlichen, aber niemals übertrieben großen Augen, mittelgroßen dreieckigen Hängeohren sowie üppigen Augenbrauen und einem reichlichen Oberlippen- und Kinnbart.
Kopfmerkmale im Detail
Auf Höhe des Jochbogens ist der Schädel breit und leicht konvex; zum Hinterkopf hin wird er allmählich flacher. Der Stopp ist sichtbar, aber nicht zu stark ausgeprägt.
Der Fang ist etwas kürzer als der Schädel, ziemlich breit und leicht keilförmig. Von der Seite betrachtet ist der Nasenrücken gerade.
Groß, mit beweglichen und weit geöffneten Nasenlöchern. Die Farbe variiert je nach Fellfarbe zwischen Hellbraun und Dunkelbraun.
Groß, aber niemals übertrieben groß, rundlich und ziemlich weit auseinander liegend. Die Irisfarbe reicht je nach Fellfarbe von Ocker über Haselnuss bis Dunkelbraun.
Von mittlerer Größe, dreieckig und mit abgerundeter Spitze. In Ruhestellung hängen sie herab; bei Aufmerksamkeit wird der Behang leicht angehoben.
Gefordert ist ein vollständiges Gebiss mit weißen, gut entwickelten Zähnen. Das Fehlen von PM1 und M3 gilt nach dem FCI-Standard 2026 nicht als disqualifizierender Fehler. Zulässig sind Scherengebiss, Zangengebiss und ein leicht umgekehrter Scherenschluss.
Funktionaler Körperbau
Der Körper des Lagotto ist kräftig und kompakt. Die obere Profillinie verläuft vom Widerrist zur Kruppe gerade; der Widerrist liegt höher als die Kruppe. Der Rücken ist stark bemuskelt und gerade, die Lenden sind kurz, sehr kräftig und leicht konvex. Die Kruppe ist lang, breit, muskulös und leicht abfallend.
Die Brust ist gut entwickelt und reicht bis zum Ellenbogen. Vorne ist sie ziemlich schmal und wird nach hinten breiter. Die Gliedmaßen sollen gerade, kräftig, korrekt gestellt und funktional gewinkelt sein.
Der Schritt ist regelmäßig, der Trab energievoll und lebhaft; der Galopp erfolgt in kurzen Perioden.
In der Ruhe wird die Rute säbelförmig getragen, bei Aufmerksamkeit deutlich angehoben. Bei der Arbeit oder bei Erregung kann sie über der Rückenlinie getragen werden, jedoch niemals senkrecht aufgerichtet oder eingerollt beziehungsweise ringförmig über dem Rücken.
Gerade und stabil
Vom Widerrist zur Kruppe gerade; der Widerrist liegt höher als die Kruppe.
Kräftig und korrekt gestellt
Korrekt gestellt, kräftig und funktional gewinkelt.
Bis zum Ellenbogen
Gut entwickelt, bis zum Ellenbogen reichend; vorne ziemlich schmal und nach hinten breiter werdend.
Lebhaft und regelmäßig
Regelmäßiger Schritt und energievoller, lebhafter Trab.
Lockiges Haarkleid, Schnitt und Farben
Das Haar des Lagotto hat eine wollige Struktur, ist an der Oberfläche etwas rau und bildet enge ringförmige Locken. Die Unterwolle ist sichtbar. Deckhaar und besonders die Unterwolle sind wasserundurchlässig – ein funktionales Merkmal, das an die ursprüngliche Verwendung der Rasse als Wasserhund erinnert.
Wenn das Haar nicht gekürzt wird, neigt es zur Verfilzung; deshalb muss es mindestens einmal im Jahr vollständig geschoren werden. Es darf nicht wie bei Pudel- oder Bichon-Frisé-Rassen geformt oder aufgebürstet werden.
Nach dem FCI-Standard soll das geschnittene Haarkleid etwa 2–3 cm nicht überschreiten und der natürlichen Silhouette des Hundes folgen. Die Locken müssen deutlich erkennbar bleiben, und das Haar darf die Augen nicht verdecken. Im Genital- und Analbereich wird das Haar kurz gehalten. Der Schnitt soll das natürliche, rustikale Erscheinungsbild der Rasse bewahren und keinen modellierten, an einen Pudel oder Bichon erinnernden Haarschnitt erzeugen.
Wollig, lockig, mit Unterwolle
Das Haar hat eine wollige Struktur, bildet enge ringförmige Locken und besitzt eine sichtbare Unterwolle.
Natürlich, nicht modelliert
Das Haar muss mindestens einmal jährlich vollständig geschoren werden und darf nicht modelliert oder aufgebürstet werden
Schutz vor Wasser und Feuchtigkeit
Deckhaar und besonders die Unterwolle sind wasserundurchlässig.
Farbvarianten des Lagotto Romagnolo
Der Standard erlaubt einfarbig gebrochenes Weiß, Weiß mit braunen oder orangefarbenen Abzeichen, Orangeschimmel, Braunschimmel, Braun in verschiedenen Schattierungen einschließlich Zobel, mit oder ohne Weiß, sowie Orange mit oder ohne Weiß. Eine braune bis dunkelbraune Maske sowie lohfarbene Abzeichen in verschiedenen Schattierungen sind zulässig.
Die Farbe allein bestimmt nicht die Qualität eines Hundes. Entscheidend sind Gesamttyp, Gesundheit, Wesen und die Übereinstimmung mit dem Rassestandard.

Intelligenter Hund mit natürlicher Arbeitsfreude
Der Lagotto Romagnolo besitzt eine natürliche Begabung für die Suche und einen ausgezeichneten Geruchssinn. Er ist aufgeweckt, lernwillig und leicht auszubilden. Seinem Menschen gegenüber ist er liebenswürdig und eng verbunden; zugleich ist er ein zuverlässiger Begleit- und Wachhund.
Ein rassetypischer Lagotto darf weder aggressiv noch übermäßig ängstlich sein. Sein Wesen soll ausgeglichen, führbar und seiner ursprünglichen Arbeitsverwendung entsprechend bleiben.
Spezialist für die Trüffelsuche
Dank seines hervorragenden Geruchssinns und seiner natürlichen Suchbegabung ist der Lagotto ein Spezialist für die Trüffelsuche.
Lernwillig und treu
Er ist aufmerksam, kooperativ, leicht auszubilden und seinem Menschen eng verbunden.
Konzentriert bei der Arbeit
Der Jagdinstinkt wurde durch genetische Auslese so verändert, dass Wildgeruch den Hund bei der Arbeit nicht von seiner Aufgabe ablenkt.
Der Standard schützt Typ, Gesundheit und Funktion
Jede Abweichung vom Rassestandard ist als Fehler zu betrachten. Ihre Schwere wird entsprechend dem Grad der Abweichung sowie ihrem Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und die Fähigkeit des Hundes, seine traditionelle Arbeit auszuüben, bewertet.
Der aktualisierte FCI-Standard 2026 unterscheidet zwischen schweren und disqualifizierenden Fehlern. Nicht jeder schwere Fehler führt automatisch zur Disqualifikation. Die folgende Übersicht zeigt konkrete Beispiele sowie die damit verbundenen Vorgaben für das Haarkleid und den Schnitt.
Nicht automatisch disqualifizierend
Ein konkaver Nasenrücken, partielle Depigmentierung, deutlicher Vorbiss sowie eine über dem Rücken gerollte oder ringförmig getragene Rute gelten als schwere Fehler.
Wesen und Typ müssen stabil sein
Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde sowie Hunde mit deutlichen körperlichen Abnormitäten oder Verhaltensstörungen werden disqualifiziert.
Korrektes Profil und korrekter Biss
Konvergierende Achsen von Schädel und Fang, Rückbiss und Glasauge sind disqualifizierende Fehler.
Prípustné hranice
Schwanzlosigkeit oder eine kurze Rute, ob angeboren oder künstlich, sowie eine Widerristhöhe außerhalb der vorgeschriebenen Grenzen einschließlich der Toleranz von ± 1 cm sind disqualifizierend.
Lockig und natürlich
Nicht gelocktes Haarkleid ist ein disqualifizierender Fehler. Übermäßiges Styling schließt den Hund von der Qualifikation aus. Ein zu kurzer Schnitt, der die Beurteilung der Haarstruktur verhindert, ist nicht zulässig.
Schwarz ist nicht zulässig
Vollständige Depigmentierung, schwarzes Haarkleid, schwarze Flecken oder schwarze Pigmentierung sind nach dem FCI-Standard disqualifizierende Fehler.
Der Rassestandard als Grundlage verantwortungsvoller Zucht
Diese Seite ist als verständliche Erläuterung des Rassestandards aufgebaut. Sie ersetzt nicht das offizielle FCI-Dokument, sondern hilft dabei, die Merkmale eines rassetypischen Lagotto Romagnolo besser zu verstehen.
FCI-Standard Nr. 298
Aktueller internationaler Rassestandard des Lagotto Romagnolo, veröffentlicht von der FCI am 2. Oktober 2026. Die offizielle Fassung liegt in englischer Sprache vor.
FCI-STANDARD ÖFFNENENCI-Kommentar zum Standard
Fachlicher Kommentar des Club Italiano Lagotto aus dem Jahr 2018, der Rassetyp und Proportionen ausführlicher erläutert. Er entstand vor der Aktualisierung des FCI-Standards im Jahr 2026.
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